13
Aug

Unser erster Urlaub mit einem Camper! Ein selbst ausgebauter Renault Master begleitet uns auf dem Weg nach Italien und auch wieder zurück. Gleich vorweg, ganz ohne Probleme.

Wir fahren relativ spät los und verbringen unsere erste Nacht auf einem Camper Stellplatz bei Kassel. Der Platz ist kostenlos, nur wer Wasser oder Strom braucht, muss dafür Zahlen. Am Nächsten Morgen fahren wir schon sehr früh los, da wir es noch bis zum Gardasee und am nächsten Tag direkt nach Rom schaffen wollen. Da wir uns noch nicht so gut mit Camping auskennen, stellen wir uns am Gardasee auf den erstbesten Stellplatz. Nichts aufregendes, aber es gibt Toiletten, was unserem Camper fehlt. Auch eine Dusche ist in unserem Camper nicht installiert.

Outdoordusche selber bauen: Man nehme einen 20 Liter Schweizer Armee Wassersack, einen Adapter, einen Gartenschlauch (ca. 1 Meter) und eine Gardena Brause oder etwas vergleichbares. Baue alles zusammen und schon hat man für ca. 20 Euro eine hervorragende und fast unzerstörbare Outdoordusche. Bei Tests im Vorfeld stellte sich heraus, dass die 20 Liter bequem ausreichend sind, um 2 Mal damit zu Duschen. Am besten nimmt man noch etwas Seil und einen Karabiner mit, damit man die Dusche erhöht aufhängen kann. Dadurch bekommt man eine höhere Wassersäule und einen besseren Druck. Tipp: Legt den Schweizer Armee Wassersack gefüllt für einige Zeit in die Sonne. Das Wasser darin wird sehr schnell warm.


Da wir erst am Abend ankamen, packten wir direkt unseren Grill aus und ließen es uns erstmal gut gehen. Da ich sehr gerne grille und das am liebsten mit Holzkohle, hatte ich mir vor einiger Zeit einen „rauchfreien“ Holzkohlegrill mit Ventilator gekauft. Später gebe ich noch einen Tipp zur Rauchentwicklung bei diesen Grill Modellen. Ich hatte mich damals für das kleinere Modell von Lotus entschieden.

Den Grill, hatte ich vorher bei Bekannten in Aktion erleben können und nach einiger Recherche mich auch für dieses Modell entschieden. Zugegeben, der Lotus Grill ist teuer, aber er funktioniert für meine Zwecke sehr gut. So kann ich auch ohne Probleme auf meinem Balkon grillen. Mittlerweile, gibt es gute und günstige Nachbauten, die man meist bei Discountern kaufen kann. Das Prinzip ist bei dieser Art von Grill immer dasselbe. In der Mitte ist ein Gitterbehälter, indem man die Holzkohle einfüllt. Darunter befindet sich ein Teller mit einem Loch und der stufenlos regelbare Ventilator. Der Ventilator pustet die Luft durch den Gitterbehälter und durch die runde Form des Grills verteilt sich von dort aus die Hitze über das gesamte Grillrost.

Man kann für diese Modelle spezielle Holzkohle kaufen, die ist allerdings recht teuer. Meiner Meinung nach ist der einzige Unterschied zu einem normalen Sack Holzkohle, dass die Kohle Stücke zerkleinert wurden. Ich nehme immer ganz normale Holzkohle und zerkleinere die Stücke z.B. mit der Hand in kleinere Stücke. Dadurch erreicht der Grill einen sehr guten Wirkungsgrad und ich spare mir die teuere spezial Kohle.




Rauchentwicklung bei rauchfreien Holzkohle Grills mit Ventilator

Einen komplett rauchfreien Grill, der mit Kohle betrieben wird, gibt es wohl nicht. Aber man kann mit diesen Modellen eine übermäßige Rauchentwicklung durchaus effektiv verhindern. Das Grillrost ist in der Mitte, also genau über dem Kohlenbehälter geschlossen. So wird verhindert, dass austretendes Fett, direkt auf die glühenden Kohlen tropft. Trotzdem berichten viele Nutzer immer wieder von extremer Rauchentwicklung und aufschlagende Flammen. Der Grund dafür ist, dass die zerkleinerten Kohlen eine sehr große Hitze entwickeln, wenn ein starker Luftstrom hindurch geführt wird. Tropft nun das Fett in die runde Grillschüssel, verdampft das Fett und Rauch entsteht. Ist es noch heißer, so entzündet sich das Fett. Die Lösung ist so einfach wie effektiv. Dreht den Ventilator nur am Anfang ganz auf, damit die Kohlen durchglühen. Danach stellt man den Ventilator so ein, dass man am Äußeren Rand des Grillrosts, das Grillgut warmhalten bzw. langsam garen kann und das eigentliche Grillen direkt auf und nahe der geschlossenen Mitte des Grillrosts stattfindet. Erstens tropft dann weniger Fett in die Grillschüssel und zweitens ist es in der Grillschüssel dann nicht so heiß, als das sich das Fett entzünden bzw. verdampfen würde. Das bedarf einiger Übung, aber nach zwei drei Grillabenden hat man den dreh raus und man kann fast rauchfrei grillen.

Rom

Der Gardersee war zu dieser Zeit nur sehr spärlich besucht. So konnten wir diesen riesigen See in aller ruhe genießen. Besonders lange haben wir uns allerdings nicht aufgehalten. Wir wollten ja weiter nach Rom. So brachen wir kurz nach Mittag auf und kamen am Abend in Rom an. Vom Gardasee nach Rom, benötigt müsst ihr gute 6 Stunden Fahrt einplanen. Wir suchten uns Area Sosta Autocaravan LGP als Stellplatz aus. Der Platz ist groß und hat alles was man braucht. Pro Nachte zahlten wir 15 Euro. Von dort aus konnten wir mit der Bahn direkt nach Rom reinfahren. Wir waren vorher noch nicht in Rom und ich muss sagen, es ist beeindruckend. Ich kannte das Kolosseum bisher nur aus dem Fernsehen. Das zweitgrößte Amphitheater, neben dem Circus Maximus steht wohl bei jedem Rom-Touristen auf dem Besichtigungsplan und es lohnt sich. Der Eintritt beläuft sich auf ca. 12 Euro. Da wir nicht zur Hauptsaison in Rom waren, hielten sich die Warteschlangen in Grenzen. Wenn ihr zur Hauptsaison nach Rom fahrt, empfehlen wir euch, die Tickets im Vorfeld online zu erwerben. Weitere Sehenswürdigkeiten sind die Vatikanstadt, die Engelsburg, das Forum Romanum, das Pantheon, die spanische Treppe uvm. um nur einige zu nennen. Für Rom hatten wir einen kompletten Tag eingeplant. Man kann mit Sicherheit mehr Zeit in dieser Stadt verbringen, aber auch an einem vollen Tag kommt man voll auf seine sight seeing Kosten.

Neapel

Am nächsten Morgen brachen wir nach Neapel auf. Von Rom aus, erreicht ihr Neapel schon nach knapp 2,5 Stunden, wenn man mit dem Wohnmobil unterwegs ist. Im Vorfeld haben wir viel über Neapel gelesen. Dabei stößt man unweigerlich auf die vielen Gefahren, die es in Neapel geben soll. Aber zunächst mal zu unserem Stellplatz. Wir suchten uns Castagnaro Parking aus. Der Stellplatz ist einige Kilometer von Neapel entfernt aber durch eine gute Zuganbindung ist das überhaupt kein Problem. Die Kosten pro Nacht betragen 15 Euro. Es gibt Toiletten, Duschen und Strom. Da wir früh ankamen, machten wir uns sofort auf den Weg in Neapels Innenstadt. Ein Bahnticket konnten wir direkt bei dem Stellplatzbesitzer erstehen. Ohne Umsteigen führt uns die Bahn direkt ins Herz von Neapel. Wir steigen aus, gehen ein paar Meter und tauchen sofort in eine Welt ein, die ich zuvor noch nicht gesehen hatte. Das bunte Treiben in den schmalen Gassen und die schier unendliche Anreihung von kleinen Essensständen hinterließen einen bleibenden Eindruck. Bestimmt gibt es einige Ecken in Neapel, die man lieber meiden sollte, aber das ist in so ziemlich jeder Großstadt so. Wir fühlten uns zu keiner Zeit unsicher, auch wenn wir etwas abseits von den Menschenmassen unterwegs waren. Besonders zu empfehlen ist das Studentenviertel (Künstlerviertel). Kunst, Kultur und gute authentische neapolitanische Restaurants findet ihr hier an jeder Ecke.

Pompei vs. Herculaneum

Für mich war Pompei eines der Highlights unserer Reise. Wieder muss ich sagen, dass wir unsere Reisezeit gut gewählt hatten, denn auch in Pompei hielt sich der Andrang in Grenzen und wir konnten diese wunderbare zeitgeschichtliche Stadt voll auskosten. Man spürt geradezu den Puls des blühenden Lebens der Stadt, dadurch, dass viele Gebäude in einem wirklich guten und authentischen Zustand sind. Teilweise wurden die Weingärten wieder angelegt, Wandmalereien konserviert, Plätze wie das Forum wieder hergestellt uvm. Schon allein das Straßengeflecht ist beeindruckend. An jeder Ecke gibt es etwas neues zu entdecken. Direkt am Eingang kann man Menschenkörper sehen, die sich in der Stunde der Not versucht haben vor dem hereinbrechenden Unheil zu schützen. Beklemmend und faszinierend zugleich.  Nehmt euch einige Stunden Zeit für die Besichtigung, denn es gibt viel zu sehen und die Stadt ist nicht gerade klein. Uns wurde als Tipp geraten das weniger bekannte aber nicht weniger imposante Herculaneum zu besichtigen. Die Stadt wurde, wie Pompei durch den Ausbruch des Vesuv konserviert, ist allerdings nicht so überlaufen wie Pompei. Ich finde man kann ruhig beide Städte besichtigen und sich selbst ein Bild machen.

Camping an der Amalfiküste

Bisher war unsere Reise durch meist städtische Sehenswürdigkeiten geprägt. Zeit zum Auspannen. Dazu steuerten wir die italienische Amalfiküste an, welche sich durch hohe, steil abfallende Felswände auszeichnet in denen es mehrere „Treppen-Städte“ gibt, die an den Felsküsten, meist aus kleinen Fischerdörfern entstanden sind. Eigentlich wollten wir in der Region frei stehen, aber wir wollten auch Meer. Vielleicht waren wir zu unerfahren, aber durch die nur an wenigen Stellen zugänglichen Küstenabschnitte mit Strand haben wir nach einiger Zeit aufgegeben zu suchen und uns für einen Campingplatz bei dem Örtchen Marina del Cantone entschieden. Villaggio Camping Nettuno. Die Lage ist hervorragend, der Besitzer auch, allerdings nicht gerade im positiven Sinne. Kurz gesagt, er war unfreundlich. Wir hatten aber keine Lust mehr weiter zu suchen und blieben schlussendlich dort. Als Basis um die Amalfiküste zu erforschen ist der Platz sehr gut geeignet. Unser Stellplatz lag so, dass wir Morgens aufs Meer schauen konnten und abends die Sonne am Horizont untergehen sahen. Das hilft über so manchen unfreundlichen Campingplatz Besitzer hinweg ;). Wir mieteten uns für die weitere Zeit ein 125 ccm Scooter und düsten die Serpentienen lang. Es ist einfach schön dort. Ab und zu führen kleine aber Lange Treppen zu kleinen Stränden hinunter. Die Straßen sind eng, die Italiener fahren schnell und die Ortschaften in der Region sind alle schön. Meiner Meinung nach kann man mit einem Scooter diese Region am besten erkunden. Außerdem macht es viel Spaß. Mir zumindest 🙂

Wir verbrachten einige Tage in der Region, lagen am Strand, schauten uns die kleinen Ortschaften an, fuhren mit dem Boot raus, schnorchelten und ließen es uns einfach gut gehen. Dann aber hatten wir wieder Lust noch weiter in den Süden zu fahren und so packen wir unsere Sachen zusammen und fuhren weiter an der Küste entlang.

Ascea – In der Vorsaison ein Traum

Wenn man mit dem Wohnmobil nach Ascea will, gibt es 2 Möglichkeiten. Entweder man fährt etwas land Einwärts über gut ausgebaute breite Straßen, oder über sehr enge Serpentinen die direkt an der Küste entlang führen. Wir entschieden uns für die Serpentinen. Das hat zwar etwas länger gedauert, aber ich fahre gerne solche Straßen entlang und sehe noch was von der Natur. Zurück haben wir den einfacheren Weg genommen. In bzw. bei Ascea gibt es viele Möglichkeiten mit einem Camper zu stehen. So gab es z.B. einen Stellplatz, direkt am Meer, der in der Vorsaison kostenlos war. Einzig die unzählbare Anzahl an Ameisen, die in breiten, schwarzen, wuseligen Ameisenstraßen die sich über mehrere Meter und Mauern hinweg über den Stellplatz schlängelten, störten etwas. Als Gegenmaßnahme streuten wir ein weißes Pulver rund um die Reifen des Campers um zu verhindern, dass die Ameisen über diesen Weg in unser Wohnmobil gelangten. Das weiße Pulver haben wir in einem Supermarkt gekauft, nachdem wir vergeblich versucht hatten mit den Verkäufern auf englisch zu kommunizieren, in dem glauben, dass es schon das richtige sein würde. Immer hin waren auf dem Cover Ameisen abgebildet, die rot durchgestrichen waren 🙂 Bestimmt nichts umweltfreundliches, aber das mussten wir in dem Moment in Kauf nehmen, wenn wir nicht von Ameisen Horden in der Nacht überrannt werden wollten.

Nach einiger Zeit auf dem Stellplatz fanden wir heraus, dass es sehr günstige Campingplätze in der Nähe gab. Da wir schon recht südlich waren und die Hauptreisezeit noch nicht begonnen hatte, hatten alle, bis auf ein Campingplatz geschlossen. Selbst dieser Platz war fast leer und für den Preis, die Ruhe und eine direkten Zugang zum Sandstrand, stellten wir uns die nächsten Tage dort hin, spannten die Hängematte und ließen es uns einfach gut gehen. Durch einen glücklichen Zufall, wir wollten Räder mieten und die netten Mitarbeiter vom Campinglpatz, welche auch ausschließlich italienisch sprachen, gaben uns nach einigen Verständigungsschwierigkeiten die Telefonnummer von Gino, der uns Fahrräder besorgen könne. Gino ist ein Italiener, der einige Zeit in Deutschland gelebt hat und nun versucht einen nachhaltigen Tourismus im Nationalpark Cilento zu etablieren. Und das macht er sehr gut. Als ich ihn anrief und ihm erklärte, dass wir gerne Fahrräder ausleihen wollte, war er sehr hilfsbereit und fragte mich wo wir genau wären und das er in der nähe sei und gleich mal vorbeikommen würde. Er kam dann tatsächlich wenig später zu uns und erklärte uns, wo wir Räder bekommen und das er einige Wandertouren durch den Nationalpark Cliento anbiete. Für damals 40 € pro Person bot er geführte Tageswanderungen durch den Park, inklusive eines Besuchs bei einer einheimischen Familie, die Ziegenkäse in Eigenproduktion herstellt und der einkehr in einem urigen Restaurant mit Wein, vielen regionalen Köstlichkeiten und Gesang. Nach kurzer Überlegung entschieden wir uns, die Tour zu machen. Die ganze Tour zu beschreiben würde den Rahmen sprengen, aber ich kann nur jedem, der in der Region ist, empfehlen eine geführte Tour mit Gino zu machen. Das waren wahrscheinlich die am besten investierten 40 € ever. Der Nationalpark ist traumhaft, die Menschen unglaublich freundlich und zuvorkommend und das Restaurant hätten wir sonst niemals allein gefunden. Auf dieser Seite findet ihr weitere Informationen und die Kontaktdaten von Gino. https://www.holiday-cilento.com/de/

 



Kommentar schreiben